Bevor ein unternehmensweit wichtiges Softwareprodukt eingeführt werden kann, müssen oftmals diverse technische und regulatorische Fragen beantwortet werden. Selbstverständlich sieht der Prozess vor Einführung eines strategisch so wichtigen Tools – wie eine Business Intelligence (BI) Anwendung – nicht anders aus.

Einer der wichtigsten Fragen, die vor Einführung eines BI-Tools geklärt werden müssen, lautet: Wie lauten unsere Anforderungen und kann die Anwendung diese erfüllen? Nicht minder wichtig erscheint vor der strategischen Tragweite der Entscheidung die Frage: Welche Qualifikationen und Kenntnisse müssen unsere Mitarbeiter*Innen mitbringen, um das Tool in ihrem beruflichen Alltag integrieren zu können? Das heißt, es muss geklärt werden, wer als User in Frage kommt und ob die jeweilige Anwendung der Unternehmensgröße gerecht wird. Dazu haben wir zwei prominente BI-Tools herausgesucht, die wir uns im 1. Teil unserer Blogserie genauer anschauen möchten: IBM Cognos Analytics with Watson und Tableau Software.

Abb. 1: IBM Cognos Analytics vs. Tableau Software

IBM Cognos Analytics with Watson – Das webbasierte Business Intelligence Tool von IBM

IBM Cognos Analytics with Watson (IBM Cognos) ist bereits eine Weile als leistungsfähiges BI-Tool am Markt und bei zahlreichen Unternehmen unterschiedlichster Branchen etabliert. Hierbei handelt es sich um eine Software-Suite, in der mehrere Produkte aus den Bereichen Business Intelligence, Performance Management und Data Management zusammengefasst sind.

Der Ansatz bei Cognos war eine zentralisierte, durch die IT verwaltete und vorbereitete Datenaufbereitung/-haltung. Auf Basis von Anforderungen, Architektur und Datenbanken wurden Datenmodelle entwickelt und anhand von Packages auf den Server den Usern zur Verfügung gestellt. Die Packages konnten dann von AnwenderInnen für Dashboards und Reports genutzt werden. Lange Wartezeiten, steigende Komplexität und die Notwendigkeit eines effizienten Datenzugriffs in Echtzeit führten immer mehr zur Demokratisierung der Daten und Analysen. Parallel haben auch andere Tools und Hersteller am Markt vermehrt Self-Service Aspekte der nutzerzentrierten Datenvorbereitung und -modellierung in die eigene Software integriert.

Das führte dazu, dass sich IBM Cognos in den letzten Jahren signifikant verändert und weiterentwickelt hat. Nach Cognos 8 BI aus dem Jahr 2005, der Übernahme durch IBM im Jahr 2008 und IBM Cognos Business Intelligence 10 aus 2010, ist die „neue Generation“ IBM Cognos Analytics in der Version 11 im Jahre 2015 veröffentlicht worden und bietet neue Funktionen für eine grundlegend neue Benutzererfahrung.

Abb. 2: IBM Cognos Analytics with Watson 11.2.1

Intuitivere Oberflächen, verstärkter Fokus auf Dashboards, Integration von KI und Datenaufbereitung mit Hilfe von Data Modules sind dabei nur einige Aspekte in der Entwicklung hin zu einer visionären Analytics und Business Intelligence Plattform.

Tableau Software – Die interaktive Datenvisualisierungssoftware von Salesforce mit Schwerpunkt auf Business Intelligence

Tableau ist ein BI-Tool, das den Fokus auf explorative Datenanalyse sowie Flexibilität in der Visualisierung legt und konnte sich durch innovative sowie intuitive Benutzeroberflächen und Funktionen in den letzten Jahren zum Leader im Bereich der Analytics und Business Intelligence Plattformen entwickeln.

Tableau verfolgt den Ansatz der Datendemokratisierung und Self-Service. Schwerfällige Prozesse und Abhängigkeiten zur zentralisierten IT werden verringert und eine nutzerzentrierte Datenmodellierung und -analyse verfolgt. Daten sollen durch Visualisierungen zugänglicher gemacht werden und es Mitarbeitenden sowie Fachbereichen ermöglichen selbstständig Informationen aus den Daten für ihre Entscheidungen zu extrahieren. Dabei sind Drag & Drop Funktionalitäten, Fragestellungen in natürlicher Sprache (NLP) oder das Ausführen von statistischen Modellen aus Matlab, Python oder R mit nur einem Klick nur einige wenige Beispiele, die in den letzten Jahren vermehrt implementiert wurden.

Abb. 3: Tableau Desktop 2022.3.1

Doch der Kosmos von Tableau erstreckt sich nicht nur auf die Software an sich, sondern lebt ebenso durch eine sehr große weltweite Community aus Analysten, Entwicklern, Lehrern und Führungskräften. Unterstützung, Austausch und Ideen zur Verbesserung der Software stehen hier im Fokus, um die Weiterentwicklung entsprechend den Anforderungen und Wünschen der User voranzutreiben.

Zielgruppen von IBM Cognos Analytics sowie Tableau Software

Grundsätzlich wird als Zielgruppe für BI-Anwendungen, Analysten, Business-Intelligence-Experten und Datenwissenschaftler genannt, die sich Einblicke in die Daten verschaffen, um daraus Erkenntnisse zu gewinnen, welche sie wiederum mit anderen teilen. Dabei gehören innerhalb des Unternehmens und der Fachbereiche hauptsächlich Daten- und Geschäftsanalysten sowie Controlling- und Marketingfachleute zu den häufigsten Anwendern. Natürlich sollten die User im Idealfall ein gewisses Verständnis für ihre Branche und Daten mitbringen, jedoch ist dies nicht zwingend erforderlich. Insbesondere Tableau spielt genau hier seine Stärken heraus, da es für explorative Analysen konzipiert wurde. Es ermöglicht Datenanalysten nach jeder Interaktion – bereits bei der Erstellung des Berichts – das Ergebnis ihrer Analysen sofort zu sehen und zu interpretieren. Im Falle von Cognos Analytics ist diese explorative Analyse der Daten etwas umständlicher, denn zum Aufzeigen der Ergebnisse neuer Abfragen muss zwischen den Sichten (Bearbeitungs- und Ansichtsmodus) gewechselt werden.

Vereinfacht gesagt ist Tableau so konzipiert, dass die Datenanalyse und die Berichtserstellung durch einfaches Drag & Drop erfolgen kann. Wohingegen Cognos Analytics etwas komplizierter in der Gestaltung ist, denn hier basiert die Logik auf Abfragen, die sich wiederum aus anderen Abfragen zusammensetzen können. Deshalb hat Cognos Analytics für Einsteiger eine steile Lernkurve. Jedoch finden sich die User nach einer gewissen Einarbeitungszeit gut zurecht, da die Modellierungs- und Einstellungsmöglichkeiten überschaubar sind. Bei Tableau sieht es dagegen genau andersherum aus. Hier ist der Einstieg zwar einfach, jedoch lernen die meisten User sehr bald, dass es noch sehr viel mehr zu entdecken und lernen gibt. Das ist u. a. auch darauf zurückzuführen, dass Tableau den Reportmodellierern enorm viel Flexibilität bieten kann und möchte.

Abb. 3: Tableau Dashboard Beispiel

Den schnellen und einfachen Einstieg können auch die zahlreichen kostenfreien Blogs und Webinare ermöglichen. Beide Anwendungen stellen zwar kostenfreie Lerninhalte zur Verfügung, jedoch hält sich die Menge an Blogs, Hilfeseiten und Lernvideos die IBM Cognos Analytics zur Verfügung stellt, in Grenzen. Tableau kann bei diesem Thema ganz besonders Punkten, denn die Menge an kostenfreien und qualitativ hochwertigen Lerninhalten ist enorm.

Fazit

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die BI Anwendungen IBM Cognos Analytics und Tableau Software für Unternehmen aller Größenordnungen und Branchen konzipiert worden sind. Diese Annahme trifft ganz besonders auf Tableau zu, denn das Tool eignet sich hervorragend auch für den Einsatz im Kleinstunternehmen. Die Integration von Tableau im bestehenden System und die Anbindung an unterschiedlichen Datenquellen ist äußerst simpel. Einige der wichtigsten Funktionen der beiden Datenvisualisierungstools sind bspw. Self-Service-Analysen, Datenvisualisierung, Datenmodellierung, prädiktive und mobile Analysen. Darüber hinaus bietet sowohl Cognos Analytics als auch Tableau Software zur Analyse von Daten eine Vielzahl von Verbindungsmöglichkeiten zu diversen Datenquellen, darunter relationale Datenbanken, Würfel und Flat Files. Durch ihre umfangreiche Funktionspalette decken beide Anwendungen die wichtigsten Anforderungen von Unternehmen jeglicher Größe ab.

Je nach Lizenzart und -menge können die Lizenzkosten stark variieren. Welche Kosten beim Kauf der Software entstehen, stellt sowohl IBM Cognos Analytics als auch Tableau Software transparent auf der eigenen Homepage dar. Diese Kosten können jedoch durch mehrjährige Verträge und Anzahl der Lizenzen niedriger ausfallen als auf der Homepage genannt.

Es gibt viele Gründe, warum Unternehmen BI-Anwendungen nutzen sollten. Sie helfen Unternehmen dabei, ihre Daten besser zu verstehen, bessere Entscheidungen zu treffen und ihre Ergebnisse effektiver zu kommunizieren. Außerdem sind die modernen Tools sehr benutzerfreundlich, sodass Mitarbeitende schnell und einfach mit der Anwendung beginnen können. Je nach Unternehmen und den jeweiligen Anforderungen sind einige Funktionen und Möglichkeiten der Plattformen höher zu gewichten als andere. Daher ist es äußerst wichtig, genau zu analysieren, welche BI-Lösung am besten zum Unternehmen sowie zu den Usern passt und die Anforderungen beider Parteien gerecht wird.

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